< SALON

B

Behlsum, Toma

war gezwungen zu verreisen, um die erforderlichen Erfahrungen für ein Lexikon des Reisens für Zuhause zu sammeln.

Busch, Wilhelm

‚schön ist es auch anderswo
und hier bin ich sowieso’

Businesshotels

Kaum, dass man es geschafft hat, die Zimmertüre mittels einer billig anmutenden Plastikkarte zu öffnen, begrüßt der Monitor des Businesshotels den Gast mit falsch geschriebenem Namen. Das hat sich so eingebürgert, in der Hotelfachschule gibt es dafür eigens einen Kurs im Gästenamenfalschschreiben, weil ‚der Gast ist das so gewöhnt’.
Businesshotels bieten unter der Woche verbilligte Arrangements für Firmen an, wo dann mittlere Angestellte auf Teambildungsseminaren nachts mangels Benehmen auf dem Flur rumbrüllen, da nützt dann auch der in dem Kriterienkatalog für die Anzahl der Sterne vorgeschriebene ‚systematische Umgang mit Gästebeschwerden’ nichts.

Bettwäsche

Sicherlich mag es seltsame Zeitgenossen geben, denen es völlig egal ist, wo sie während ihrer Reise ihr Haupt betten, die ausschließlich auf die Körnung des Sandes oder die Anzahl von Kunstobjekten in den umliegenden Museen schauen, und die bestenfalls noch Wert darauf legen, dass es sich um ein nach Tensiden und Aromastoffen duftendes Kopfkissen handelt, damit klargestellt ist, dass die Bettwäsche vom Vorschläfer nicht einfach aufgebügelt wurde.
Nun wird ein zufällig hinter dem Erzähler stehendes Mütterchen einwenden, dass Bettwäsche sehr wohl auch ohne Aromastoffe in den Waschmitteln duftet, wenn sie an der Sonne getrocknet wurde, aber wie soll man dieser dann erklären, dass Hotelwäscher ihre Bettwäsche in Marokko oder Bulgarien waschen lassen und schon diese seit geraumer Zeit nicht mehr an der frischen Luft trocknen und sie fragen, wann sie das letzte Mal Wäscheleinen voller Bettwäsche gesehen habe, vermutlich 1961.

Befindlichkeiten

Reiseberichte sind voll von Beschreibungen der Befindlichkeiten der Reiseberichtschreiber. Befindlichkeiten zu haben ist schon schlimm genug, sie dann aber auch noch zu veröffentlichen ist ungehörig.

Bedienung

Ohne Kenntnis von ‚sun tzu’ (sunzi), ‚die Kunst des Krieges’, um das strategische Vorgehen beim Bestellen von Speisen und Getränken unter unterschiedlichen erschwerten Bedingungen zu studieren, ist es oft nicht einfach, etwas zu Essen oder zu trinken zu bekommen.
Einem Landbewohner wird es noch nicht einmal gelingen, eine Bestellung in einem Szenecafé in Düsseldorf aufzugeben, geschweige denn in New York, Los Angeles oder Rom.
‚Das kann doch nicht so schwer sein’, sagt der Reisende dann und hebt zum hundertsten Mal die Hand, um die Bedienung auf sich aufmerksam zu machen. Die Bedienung schaut aber durch die Hand einfach hindurch.
Es gibt fünf Arten von Bedienung, was bei der Bestellung zu berücksichtigen ist:
1. Echte professionelle Bedienungen, wobei es natürlich wie in allen Berufen gute und schlechte Bedienungen gibt. Die guten bringen Speisen und Getränke. Die anderen rufen ‚Kollege kommt’.
2. Inhaber und Service in Personalunion, oft unprofessionell, aber bemüht, so weit so gut.
3. Dann gibt es noch Bedienungen, die eigentlich gar keine sind, aber welche spielen, vorzufinden beispielsweise in Grand Hotels. Beatniks, die Bedienungen so verkörpern, ganz so wie sie es in einem Off-Broadway Stück spielen würden. Das sind die Besten.
4. Weit verbreitet sind auch solche, die ängstlich vermeiden, dass sie jemand für Bedienungen hält. Sie bringen nur deswegen den bestellten Kaffee und das Bier, weil sie durch widrige Umstände in ihrer Biografie in die Verlegenheit gebracht wurden, Dinge zu tun, die ihnen zutiefst zuwider sind, wie etwa Kaffee oder Bier zu bringen.
5. Neuerdings sind immer häufiger Bedienungen anzutreffen, die auf die Frage, ‚Sind sie hier die Bedienung’? antworten würden, das wüssten sie auch nicht, die Frage habe sich ihnen irgendwie nie gestellt. Das ist der worst case.

Bangkok

Die meisten von uns werden dazu gezwungen, zwischen ihrer Schulzeit und der Rente ihren Lebensunterhalt mit Arbeit zu verdienen, und um das 40 bis 50 Jahre durchzuhalten, haben Arbeitgeber und Gewerkschaften regelmäßige Rekreationsphasen festgelegt, genannt Urlaub, und nicht wenige der Kollegen verbringen diesen Urlaub in Abgasen, Lärm und Gestank, in einem riesigen In- und Outdoorpuff, bewegen sich im Strom hässlicher schlecht gekleideter übelriechender mittelalter Männer aus aller Herren Länder, die gerade vom Puff kommen oder auf dem Weg dorthin sind, in einer Stadt mit keinerlei urbanem Gefüge, in der soziales Elend und großer Reichtum Tür an Tür vereint sind, in der kein Taxifahrer Englisch versteht, Kinder Klebstoff schnüffeln, lassen sich von traurig aussehenden Elefanten anbetteln, und ruhen sich zwischendrin auf Plätzen aus, auf denen angerostete schmierige Metalltische und angebrochene Plastikstühle stehen und die so anheimelnd sind, wie es Ausruhplätze in ratzigen shopping malls eben so schaffen, nämlich gar nicht, lassen sich aber trotzdem auf einem der angebrochenen Plastikstühle an angerosteten schmierigen Metalltischen nieder, weil die Füße schmerzen, und essen ein Grünteeeis, laufen auf müllübersäten Gehsteigen in viel zu engen Straßen herum, lassen sich von den Händlern gnadenlos übervorteilen, indem sie sich Anzüge aus Futterseide schneidern lassen, die nicht passen und die aus Kunstseide sind, und ersaufen in einem See billiger gefälschter Markenware in einer Qualität, die eigentlich gar keinen Preis zuließe, warten darauf, dass Kurt Russel um die Ecke kommt, auf dem Weg, den Präsidenten zu retten, mit anderen Worten, Bangkok ist das Urlaubsziel für Endzeitpunks.

 

C

Clash of Culture

Ein Theaterstück in einem Aufzug.
Ort: Der Horus-Tempel in Edfu
`Ich` tritt aus dem inneren Bereich des Tempels auf den Platz davor.
Auftritt älterer Ägypter, landestypisch in ein Nachthemd gekleidet, freundlich lächelnd:
„Gut?“ (auf deutsch)
„Ja!“ (ebenfalls auf deutsch)
Der ältere Ägypter streckt die Hand aus, noch immer lächelnd.
„Bakschisch!“
Abgang `Ich`, ebenfalls freundlich lächelnd.
Der ältere Ägypter bleibt noch einen Moment stehen, geht dann auch ab.

 

E

Entdeckerreisen

Die Leute machen sich auf Grund ihres hohen Fernsehkonsums oft völlig falsche Vorstellungen, wie Entdeckungen entdeckt werden, glauben, da würden Wissenschaftler jahrelang im Urwald herumkriechen, bis sie zufällig über eine versunkene Stadt stolpern. Diese Vorstellung ist geprägt von alten Hollywoodfilmen, die sie immer anschauen, auch weil stets noch eine blonde Frau mit von der Partie ist, die kreischt, wenn der Löwe naht, dann aber von dem Archäologen gerettet wird und daraufhin das Feldbett mit ihm teilt. In Wirklichkeit lesen die mehr wissenschaftlich geprägten Entdecker die einschlägigen Fachzeitschriften wie National Geographic, und fahren dann da hin, wo es was zu entdecken gibt, während die raubeinigeren unter den Entdeckern die einschlägigen Bars aufsuchen, sich Dreitagebärte wachsen lassen und auf betrunkene Eingeborene warten, denen sie Geheimnisse entlocken können.
Es ist daher absolut kontraproduktiv für Entdeckerreisende, stets nur Touristenbars  aufzusuchen und dort zwangsläufig schlechte Erfahrungen mit Reisegruppen (doof: “Wo seid Ihr denn her?”) und alleinreisenden Frauen (auch doof: “Können Sie die Zigarette bitte woandershin halten”) zu machen.
Jetzt mögen die üblichen Nörgler vielleicht einwenden, was das den soll, a) etwas ja bereits Bekanntes, und b) gar in einer Bar, vorzugeben ‚entdeckt’ zu haben, aber siehe da, es geht. Schließlich war doch Machu Picchu auch bereits bekannt, als es von Bingham entdeckt wurde, und es ist nicht unwahrscheinlich, dass er das ebenfalls in einer Bar von einem äußerst betrunkenen Inka erfahren hat.

Einreisekontrolle

Das unterbezahlte Personal bei den Einreisekontrollen behandelt die Fluggäste noch schlechter, als diese jemals  zu Hause behandelt worden sind, sie begründen das ‚im Namen der Sicherheit’, was aber nur eine Ausrede ist, um Menschen straflos schlecht behandeln zu können. Der Reisende führt benommen die mechanischen Tätigkeiten aus, die von ihm verlangt werden, apathisch und passiv, wartet, bis die Welle der festgelegten Rituale an der schmutzigen Glaswand des Flughafengebäudes verebbt und ihn aus einer der in die schmutzige Glaswand eingeschnittenen Türen nach draußen spülen wird.

F

Frühstücksraum

Nach einer halbwegs überstandenen Nacht im immer zu heißen Zimmer in einem  Mittelklassehotel in einer beliebigen Stadt kommt unweigerlich die nächste Herausforderung auf den Reisenden zu, das Frühstück im Frühstücksraum.
Im Frühstücksraum angekommen geht der Reisende eine Symbiose mit ihm ein, wird eins mit ihm, wickelt ähnlich wie die Isarnixen synchron mit allen anderen Leberwurst, Streichkäse, Butter und Marmelade aus kleinen Portionspackungen aus und belegt damit noch kleinere runde Semmeln, die er flugs in den Mund steckt und zu kauen beginnt, aber nicht bevor das Verpackungsmaterial in die Tischmülleimer, kleine unansehnliche hellbeige Plastikbecher mit Dekor, befördert worden ist. Jeweils nach einem halben Semmel wird mit Milchkaffee oder Orangensaft nachgespült, manchmal auch mit beidem gleichzeitig.
Naserümpfende Liberale werden jetzt rufen: Aber das sind doch alles Individuen, die da rumsitzen, ein Frühstücksraum kann keine belegten Semmeln essen. Doch, ein ganzer Frühstücksraum.

Flughafenmusik

Brian Eno hat eine ‚Music for Airports’ geschrieben, weil an Flughäfen immer so eine Art Musik spielen würde, die den Flugreisenden sagen soll, es wird schon nichts passieren, woraufhin er eine Musik geschrieben habe die sagen soll, wenn das Flugzeug ankommt, gut, wenn nicht, auch egal, da eh alles wurscht. Das riecht aber nach einem PR-Gag in eigener Sache, denn auf Flughäfen spielt gar keine Musik. Brian Eno hat sich das wahrscheinlich im Supermarkt so zusammengereimt, nachdem er zuerst Music for Supermarkets komponieren wollte, bei der den Kunden alles egal wird, ihm aber dann davon dringend abgeraten wurde.

Fluggesellschaften, vergangene

Heute gleicht eine Fluggesellschaft der anderen. Wer früher, in der guten alten Zeit, in ein Flugzeug der Fluglinie PanAm, Gott habe sie selig, einsteigen durfte, sofern er die Sicherheitskontrollen am Flughafen lebend überstanden hat, der wusste schon bevor er gelandet war, this is fuckin‘ America. Wer, ebenfalls in der guten alten Zeit, von dicken blonden Stewardessen herumkommandiert wurde, während andere dicke blonde Stewardessen Essenswägen über wellige Gangteppiche rumpelten, weil schon wieder im Fünfjahresplan doppelseitiges Teppichklebeband vergessen worden war, wusste, er ist in einem sozialistischen Flugzeug der sozialistischen Firma Aeroflot unterwegs in ein ebenso sozialistisches Land. Wer jedoch in ein Flugzeug von LTU einsteigt, der weiß nichts, der fliegt einfach nur irgendwohin, in ein Hotelzimmer mit Poollandschaft davor.

Fotografieren

Fotografieren sei das größte Unglück des 20. Jahrhunderts, sagt schon Thomas Bernhard, weil Fotos, eine verzerrt perverse Welt festhalten, die mit der wirklichen nichts als diese perverse Verzerrung gemein hätten, und Bernhard schreibt weiter, dass Fotografieren eine Sucht sei, die die Menschheit erfasst hat, weil sie in die Verzerrung und Perversität verliebt wäre und mit der Zeit die verzerrte und perverse Welt für die einzig wahre nehme. Die, die fotografieren, begingen eines der gemeinsten Verbrechen die begangen werden können, indem sie die Wirklichkeit zu einer perversen Groteske machten.
Das darf man aber nicht laut sagen, sonst geht es einem wie einst Thomas Bernhard und man wird aus seiner Heimat gejagt wie ein Hund.

 

G

Geschäftsidee, vietnamesisch

Der geschäftstüchtige Vietnamese geht davon aus, dass, wer eine Zeitung kauft, eine geflochtene Tasche, ein Mobiltelefon aus Papier, auch noch eins davon kauft.
Wer aber jetzt milde verächtlich auf Vietnamesen blickt, den sei daran erinnert dass nach demselben Prinzip auch der gewerbliche Adressenhandel in Deutschland funktioniert,
und auch dieses Buch.
Es gibt bereits etwa sieben Lexika des Reisens, aber wo ein Markt für sieben ist muss auch einer für acht sein.

Gefahr

Der Reisende, bevor er zum Reisenden wird, lebt in einem der sichersten Länder in einer der sichersten Zeiten. Es gibt keine Kriege, die Kriminalitätsrate ist niedrig und der Hygienestandard hoch, die Umweltverschmutzung hält sich in Grenzen, die Rote Armee Fraktion ist Geschichte und die Rote Armee sowieso pleite. Als instinktgesteuertes Wesen aber hat er trotzalledem Angst. Weil aber seine Angst keinen glaubwürdigen Grund hat, produziert er neurotische Zustände* und lässt sich gegen imaginäre Schweinegrippen impfen, isst keine Gurken, weil EHEC verseucht, und meidet Menschenansammlungen, in denen sich islamistische Selbstmordattentäter verstecken könnten, es sei denn, es handelt sich um eine wilde Facebookparty. Wenn er dann über Wochen und Monate nicht schlafen kann unternimmt er etwas dagegen und er verreist, in ein Land ohne sauberes Wasser, in dem sich Taschendiebe und Malariamücken die Hand geben, es giftige Schlangen gibt und riesige stinkende Mülldeponien aus einheimischem Müll wie aus seinem eigenem, ihm vorausgereisten Giftmüll, am Rande derer das Gemüse angebaut wird, das er vorgesetzt bekommt.
*Juli Zeh

 

H

Hotelfotos

Alle Hotels sind den Fotos in den Reisekatalogen und den Internetseiten, die sie darstellen, naturgetreu nachgebildet, schon um die Touristen nicht zu verstören, darauf kann man sich verlassen.

Heterotopien

So zwischen 400 und 800 (nach unangemessen christlicher Zeitrechnung) haben die Völker der Maya ihre Städte geplant und gebaut, und jeder weiß, ist etwas endlich fertiggestellt, beginnt eigentlich auch schon der Verfall. Ein paar hundert Jahre lang wurden die Anlagen noch genutzt, mit Leben erfüllt, der Verfallsprozess aufgehalten, die Städte wurden erweitert und verändert, irgendwann um 1300 dann aber entgültig verlassen, sie verfielen und die Natur bestimmte nun wieder zunehmend ihr Erscheinungsbild, betrieb den Übergang von Kultur zuerst zu einer Ruine und dann zu einem Schutthaufen. Das ist völlig normal, wird aber von aufgeklärten Europäern nicht gerne gesehen. Deshalb kamen Ende des vorletzten Jahrhunderts ein paar Idealisten dieser Aufklärung in die malariaverseuchte Wildnis von Yacatan, Guatemala Honduras und Belize und begannen die Schutthaufen abzutragen, zu ordnen und wieder zusammenzusetzen. Und schufen damit weitere Exemplare der schon von zu Hause sattsam bekannten Heterotopien, wirkliche Orte, die aber eigentlich ganz anders sind als die Orte, die sie repräsentieren. Bei aller Liebe zum Detail, auch wenn man genügend alte Trümmer in wissenschaftlich fundierter Art und Weise aneinanderfügt kommt keine Mayastadt heraus, sondern immer nur ein Museum.
Das ist dann durchaus einigermaßen lehrreich. Weil aber die erfahrbare zeitliche Distanz zu ihrer Entstehung, wie sie der Schutthaufen dokumentiert hat, zerstört wurde, geht damit auch die ganze Imagination des Ortes verloren.

K

Kleinbusse, klimatisierte

In fast allem übe man sich in Nachsicht, nur nicht bei Leuten, die in klimatisierten Kleinbussen die Welt bereisen. Das ist nämlich einfach nur sehr sehr dumm, denn um die Welt durch eine Glasscheibe zu betrachten genügt es, zu Hause im Fernsehen Reiseberichte anzuschauen, das ist viel billiger und bequemer ist es noch dazu. Die Fahrt im klimatisierten Kleinbus ist unruhig und kurvig, der Motor dröhnt, es riecht nach Plastik, es ist kalt. Zuhause dagegen wäre der Sessel bequem, das Zimmer der Jahreszeit entsprechend angenehm temperiert, und es säßen keine komischen Leute neben einem, die streng riechen und unverständliche Laute von sich geben.
Der Reisende schaut zum Fenster des klimatisierten Kleinbus’ und vermutet, draußen sei es warm, die Luft rieche nach Rauch und Gebratenem, und die Menschen seien echt, aber sicher kann er sich da nicht sein, ob es überhaupt ein draußen gibt oder ob die Fenster nicht tatsächlich nur Bildschirme sind.

 

M

Mitbringsel

Der Tag vor dem Abflug verläuft traditionell hektisch, aber nicht etwa, weil nervös, wegen packen und rechtzeitig zum Flughafen oder so, hier coolness in Person, sondern weil jetzt der Einkauf von Mitbringseln ansteht, all den Dingen, die daraufhin noch etwa ein halbes Jahr die Wohnung des Beschenkten verstopfen, dann auf den Speicher wandern und sich dort irgendwann in Luft auflösen. Zusätzlich erschwerend gilt es noch Bestellungen abzuarbeiten, die unumgänglich sind, auch wenn die daraus resultierenden Dialoge vorherzusehen sind:
‚Diese Eulen habe ich eigentlich nicht gemeint!’ Der Gesichtsausdruck der Begünstigten verfinstert sich, während der eigene Gesichtsausdruck unverändert bleibt, weil ‚so was’ ja schon erwartet.
‚Andere gab es aber nicht!’
‚In dem Laden neben dem Eiscafe gibt es die schönen Eulen, das hatte ich Dir aber gesagt.’
‚Der hatte aber immer zu!’
In der sicheren Überzeugung, dass das gelogen ist, was es aber nicht ist, werden die Eulen und anderer bestellter Unrat dann gnädig entgegen genommen. Keine Eulen mitzubringen ist übrigens auch keine Alternative, ‚ich tu Dir nie wieder einen Gefallen’, wäre die einem gut vernehmlich in den Rücken gemurmelte Reaktion. Es gibt im Leben eben Aufgaben, die nicht recht zu machen sind, damit muss man sich abfinden.

 

N

no shoes no shirt no service

Häufig anzutreffendes Schild in amerikanischen Touristenregionen. Leider nicht anzutreffen in Amerika wie auch bei uns sind Schilder:
Mit Fahrradhelm auf dem Kopf kein Zutritt möglich.

 

P

Poollandschaft

Die Existenz von Poollandschaften, meist direkt neben dem Meer gelegen, gehört ebenso zu den Mysterien der Menschheit wie Spanferkelwettgrillen und tragbare Motorlaubbläser, und fällt eindeutig in die Kompetenz des Kirchentages und kann daher hier auch nicht weiter betrachtet und ausgeführt werden.
Zur Poollandschaft gehören Sonnenliegen, die rechtzeitig besetzt werden müssen, am besten noch vor dem Frühstück, und Kriminalromane, ersatzweise historische Romane.

Parkplatz, amerikanischer

Für USA - Reisende, ob mit Auto oder öffentlichen Verkehrsmitteln, ist der Parkplatz ein wichtiges Element der Infrastruktur.
Amerikanische Parkplätze sind riesig, durchgehend asphaltiert, befinden sich an einer Einfallstraße, und es zieht. Außer einem Dunkin Donut gibt es noch einen McDonald's und einen schmuddeligen Laden mit Namen Norma's Cafe. Vor dem Dunkin Donat steht ein Indianer, der mit einem Beil rumfuchtelt und dabei Schweinehund brüllt, um die in riesigen Geländewagen ankommenden Familien auf sich und den Laden aufmerksam zu machen. Der Indianer hat einen Federschmuck auf dem Kopf, wie von Woolworth an Fasching im Sortiment, trägt ein Hawaiihemd und dazu schokoladenbraune Bell Bottoms und schwarze Reeboks. Der Reisende, den es auf den Parkplatz gespült hat, kauft einen Krapfen im Dunkin Donut. ‚Scheiß Kindergeburtstag’, grunzt er dann aber und lässt den schwarzblauen schmierig-zähen Inhalt seines Blaubeerkrapfens in einen Abfalleimer auf dem Parkplatz fliesen.

Politik

Eindringlich wird in Reiseratgebern davor gewarnt, Einheimische in politische Diskussionen zu verwickeln. Zu Recht. Die Euphorie der westlichen Welt über die vor Jahrhunderten erfolgte Aufklärung, wird ja auch gerne zur Schuriegelung der unaufgeklärten Kameltreiber im nahen Osten hergenommen. Allzu oft zeigt es sich, dass die Freiheit des Denkens schon dadurch begrenzt bleibt, weil vielerorts überhaupt nichts gedacht wird, und die Freiheit der Rede dann ihr Ende findet, wenn ökonomische Nachteile zu befürchten sind. Der Reisende hört sich die Meinung anderer ja nur an, um seine eigene entgegensetzen zu können.
Reisende, die in der Lage dazu sind, differenziert und dialektisch zu diskutieren, und die entsprechende Gesprächspartner gefunden haben, lesen keine Reiseratgeber.
Oder, um das ganze mit Platon zu erläutern:
Im Reich des Wissens verhält sich das Meinbare zu dem durch die Vernunft Erkennbaren wie das Schattenbild zu dem sinnlich sichtbaren realen Objekt.
Das Meinen kann wieder unterschieden werden in das Mutmaßen (eikasia) und das Glauben an die Sinneswahrnehmung, die zu einer ungeprüften Annahme führt (pistis).

Pantophage

Dass der Mensch ein Allesfresser ist kommt dem Reisenden zu Gute, sonst wären Reisen in fremde Länder, in denen es Pizza (überall), in Fett getränkte Stopfwolle (England), Grease (USA), tausend Jahre alte Schwalbennester (China) oder süße Meerschweinchen (Südamerika) zu essen gibt, genauso wenig möglich wie Reisen von fremden Ländern zu uns, wo der Reisende Saure Lüngerl, Kutteln, mit Käse überbackene Rösti und Ochsenaugen auf den Speisekarten vorfindet.

 

R

Rückkehr, nach der-

Auch nach der Rückkehr von der Reise bleiben viele Fragen.
‚Viele Menschen fragen . . .’, sagt Margot Käßmann, die profunde Mary-Roos-Kennerin. Rudi Carrell hingegen hat seinerzeit eindringlich davor gewarnt, Vorträge mit ‚Sie werden sich sicher gefragt haben’ zu beginnen, weil man damit nur ein ‚Nö, eigentlich nicht’ provoziere. Und Margot fährt fort, ‚ . . . sich, welchen Sinn das Leben macht?’.
Aber ist die Frage, welchen ‚Sinn das Leben macht’, wirklich so wichtig? Gibt es nicht brennendere Fragen, etwa, ob das Lied mit der Textzeile ‚Viele Menschen fragen’ wirklich von Mary Roos ist?
Wer dagegen sagt, ‚Sie werden sich sicher schon gefragt haben, ob in Deutschland Tierheime Meerschweinchen auch an hereingeschneite Peruaner abgeben, wenn diese zwar versichern, ihnen ein neues Zuhause geben zu wollen, dabei aber verschweigen, den armen kleinen Tieren doch nur an den Kragen zu wollen’, wird zu Recht auf Kopfschütteln stoßen. Denn Meerschweinchen verstehen nicht viel vom Sinnmachen des Lebens, dafür umso mehr von ihrem Kragen.

Restaurants

Gute und nur mäßig überteuerte Restaurants findet der reisende ganz einfach, indem er stets nur in solche einkehrt, die keine Tische auf dem Gehsteig stehen haben, und aus denen hässliche Musik dröhnt. Einheimische finden im Freien essen albern, hören aber beim Essen gerne hässliche Musik. Für Touristen hingegen gehört es zum gelungenen Urlaub, bei Affenhitze angekokelten, totgegrillten Fisch in mitten eines Stromes verschwitzter und auch sonst schlechtriechender Touristen in engen Gassen zu verspeisen, was einem Einheimischen nicht im Traum einfiele.

Rom

Beliebtes Sprichwort: ‘When you are in Rome act like the Romans’.
Weisheit, die mitunter ihre Grenze findet, in Spanien beim Frühstück: Porros und Churros, salziges in Fett ausgebackenes Spritzgebäck, in Schokolade getunkt.

Reisen

Reisen ist immer eine Metapher, zumindest seit der Aufklärung,
der Rest ist Flucht, Umzug, Tourismus.
Diese Begriffe sind definiert, Reisen ist es nicht.

Ruinen

Francois de Volney hat in seinem Reisebericht Voyage en Egypte et en Syrie einen exemplarischen Zusammenhang zwischen Reise, Ruine und Geschichte dargestellt; Das Bild der Ruine beschreibt er als körperlich und sinnlich erfahrbare Geschichte, Bild und Reflexion werden etwas Zusammengehörendes, indem der Reflexion eine Gemütsbewegung voraus geht. Man stelle sich das so vor, dass er in den Ruinen von Palmyra sitzt und bei diesem Anblick zerstörter Bauwerke in höchster Erregung über den Verfall von Kultur und die Erkenntnis der Vernunft reflektiert.
Der Reisende heute aber leider wie immer und überall zu spät, der idealtypische Orientreisende sitzt nicht mehr sinnend auf den Ruinen, aufgeklärt und romantisch,
er kommt vielmehr in Gruppen mit dem Reisebus an,
er wehrt als erstes einige Souvenirverkäufer ab,
will auch nicht auf dem Kamel reiten und dabei Gefahr laufen, Ring- und Mittelfinger zu verlieren,
auf der Schnellstraße, die durch die Ruinen führt, wird er fast überfahren,
es ist ihm eigentlich viel zu heiß.
Früher, früher war das Hotel Zenobia erfüllt von den Diskussionen der Reisenden, Agatha Christie und Lawrence von Arabien saßen in Korbstühlen auf der Terrasse, die Berge zedernbestanden, die Quellen sprudelten unerschöpflich, und wo sich jetzt die ziemlich hässliche Ansiedlung aus grauen Häusern immer weiter in die Wüste frisst, standen bunte Beduinenzelte. Durch die Wüste, die früher Steppe war, jagten Wölfe, Bären, Tiger, Löwen, riesige Antilopenherden.
Früher.

 

S

See (z.B. Fuschlsee)

An mitteleuropäischen Seen haben freie Bürger die Gelegenheit, sich die Freiheit zu nehmen, nichts zu tun.
Trotz glühender Verehrung für Alexander von Humboldt erscheint dann eine gewisse Skepsis bezüglich der Substanz der Aufklärung am Horizont hinter dem See, ein Misstrauen vor der Enzyklopädisierung der Welt.
Es wird nicht viel gesprochen, und wenn, wird alles zerredet und nichts gesagt, die Rhetorik Schopenhauers wird stets über die Dialektik Hegels die Oberhand behalten.
Der aufgeklärte freie Bürger lebt als gesellschaftspolitisches Zitat des 19. und 20. Jahrhunderts fort. Dieses Subjekt aber wird im Urlaub auf sich selbst reduziert und es entsteht – nichts.
Alles ist nichts, und wenn es auch nur ein klein wenig wäre, es würde das hochverehrte Publikum in Konfusionen stürzen, und dasselbe sich danach vom Balkon direkt in den See.

Sprache

In England erkennt man die Oberschicht an der Sprache, auch wenn die Mitglieder verarmt sind und einen in einer Zweizimmerdachmansardenwohnung empfangen. Für Deutschland kann man das so nicht bestätigen. Ausdrücke wie Flieger (- Flugzeug), Abee und Hendi, die vom Unterschichtenfernsehen ‚Bauer sucht Frau’ herrühren, sind gesellschaftlicher Konsens und werden auch von Bewohnern riesiger Altbauwohnungen in vornehmen Stadtvierteln benutzt.

Schuhputzautomat

Auf Fernseher mit Sat-Anschluss, Fön, Teppich kann der Reisende im Hotel leicht verzichten. In Ländern, in denen es keine - Schuhputzer gibt, ist nur wichtig, dass der Schuhputzautomat den Gast im Flur begrüßt, wie es sich gehört, immer wenn er an ihm vorbeigeht, sogar dann noch, wenn er nachts um 3 Uhr 30 leicht angeheitert mit schmutzigen Schuhen in sein Zimmer schwankt.

Sinn des Lebens

Reisen mit der Vorgabe, endlich einmal den Sinn des Lebens zu suchen, ist dem Erfolg der Reise äußerst hinderlich, reist man doch, um fremden Menschen, Tieren, Pflanzen, Landschaften zu begegnen (‚zugänglich und offen für Menschen, die einem unterwegs begegnen, aber auch für die Tiere, ein Eichhörnchen, oder für am Meeresrand aufgetürmte blauschimmernde Eisplatten’, wie Lecarrière schreibt), um sinnliche Erfahrungen zu machen, und nicht um sich selbst zu erfahren und dabei auch noch andere Reisende damit zu belästigen. In peruanischen Hotels jedenfalls wird die Suche nach dem Sinn des Lebens genauso erfolglos bleiben wie die nach einem Kleiderhaken, von einem ganzen Kleiderschrank ganz zu schweigen. Reisen bedeutet Erfahrungen zu machen, die selbst bereits allen möglichen Sinn beinhalten, nur nicht den des Lebens. Die Frage nach dem Sinn des Lebens hat auf Reisen also ein Tabuthema zu bleiben.
Wem das zu persönlich ist, der kann natürlich den Sinn des Lebens überhaupt suchen, etwa in guten Büchern, allerdings wissen Schriftsteller oft auch nicht so genau, was der Sinn des Lebens ist oder haben sogar den Verdacht, es gäbe gar keinen. Weil sie aber den Leser nicht enttäuschen wollen und sich nicht das Geschäft vermasseln, geben Sie kryptische Antworten wie ‚42’, was dann den Intellekt, nicht aber die Spiritualität anregt.

Stierkampf

Bei Reisenden wie Einheimischen beliebte traditionelle folkloristische Veranstaltung in spanisch- und französisch- sprechenden Ländern, bei der ein aufgeblasener Fatzke mit Hasenpfote in der Hose ein Tier zu Tode malträtiert.

Schwager

Omnibusfahrer und Taxifahrer halten gerne vor Hotels und Restaurants, die offensichtlich dem Schwager gehören, der auch sofort zur Stelle ist, wenn man ankommt. Damit soll nichts gegen Schwager gesagt werden, es ist überhaupt nicht erwiesen, dass die Schwageradressen schlechter sind als die im Lonely Planet aufgelisteten und damit objektivisierten Adressen, von denen ja auch niemand weiß, ob denen nicht wiederum irgendwelche Schwager vorausgegangen ist oder sie auch nur von einem anderen Reiseführer abgeschrieben worden sind. Auch ist es verwerflich, das Schwagertum abwertend mit minderer Zivilisation zu belegen. Bei uns heißt das Schwagertum Netzwerk.

Schweden

Von Louisiana, dem Museum für moderne Kunst nördlich von Kopenhagen, kann man über das Meer bis nach Südschweden schauen. Das reicht dann auch, mehr Schweden muss nicht sein. Südschweden sieht von weitem auch nicht anders aus als Norddänemark von nahem, langweilig halt. Norwegen hat wenigstens Fjorde, Schweden hat nichts, außer Rentierherden, die aber wegen des notorisch schlechten Wetters am Horizont nicht von tiefhängenden grauen Regenwolken zu unterscheiden sind, und zu Hause dann Häme über den Fotografen bringen, „was, eine Rentierherde soll das sein, hoho“. Und scheint einmal die Sonne, wird sie sofort verdunkelt von Myriaden von Mücken, Stechmücken, Moskitos, Kriebelmücken, Black Flies, und die Schweden begeben sich umgehend in ihre langweiligen Wälder und schießen die letzten Wölfe ab und hören in ihrem I-Phone dabei Abba und Mando Diao.
Wenn sie von der Jagd nach Hause kommen nach Bullerbü in ihr ochsenblutrotes Schwedenhaus lesen sie Kriminalromane, in denen die Kommissare erhebliche familiäre Probleme haben, und trinken Schnaps dazu.
Die Königin Silvia ist ebenfalls nicht sympathisch. Ihre Tochter hat vom Krafttraining einen kräftigen Hals bekommen und einen neuen Mann, dem sie eine große schwarze Brille mit Fensterglas aufgesetzt hat, damit er intelligenter aussieht. Jeder von uns im Laufe seines Lebens selbst einige Schweden persönlich kennen gelernt, nur sind sie nicht in Erinnerung geblieben, bei Kriminalfällen eine Katastrophe: ‚Wie sah der Täter aus?’ ‚Irgendwie wie alle hier.’ ‚Was hat er gesagt?’ ‚Praktisch nichts’.
Von Reisen nach Schweden ist also abzuraten. Dass Schweden allerdings nichts hat außer Rentierherden, war gelogen. Außer Rentierherden, Kriebelmücken, Abba und die Königsfamilie hat Schweden auch Schwedenbitter, die Schwedenplatte und die Schwedendemokraten, alles jedoch irgendwie unerfreulich.
Schwedenbitter ist etwas für alkoholabhängige esoterische Nonnen, Schwedendemokraten sind rechtsradikal, und die Schwedenplatte ist ein lustiges Arrangement aus Schwedenhappen, mariniert aus der Dose, gemischt mit Apfel- und Gurkenscheiben, Austern oder Miesmuscheln aus der Dose, geräuchert, auf dünnen Zitronenscheiben arrangiert, mit reichlich Zitronensaft beträufelter Stör in dünne Scheiben und mit grob gemahlenen Pfeffer bestreut, Krabben mit einer pikanten Sauce aus Mayonnaise und saurer Sahne, mit Orangenscheibchen garniert, Eier hartgekocht, halbiert gefüllt mit Keta-Caviar, Heringssalat mit Schnittlauchröllchen und gehackten Radieschen verfeinert  auf bissfest gegarten Kartoffelscheiben serviert und das ganze wahlweise garniert mit Sardellenfiletröllchen, Kirschtomaten, Petersilie- und Dillsträußchen, Salatblättern, Zitronenscheiben und Tupfer aus Crème fraîche. Superlecker.
Nicht gelogen war, dass man Schweden von dem Museum von Lousiana aus sehen kann.

 

T

Trinkgeld

Der Reisende bewegt sich in fremden Ländern stets auf einem dünnen Grat, ständig in Gefahr, in die eine oder andere Richtung zu fallen: Umso mehr landesunübliche Bezahlung und Trinkgeld, desto überheblicher. Umso weniger Geld und Trinkgeld, desto knauseriger und gemeiner.

 

V

Valentin, Karl

Von Karl Valentin ist der Satz überliefert,
‚Fremd ist der Fremde nur in der Fremde’.
Dieser Satz wird häufig verfälscht in ‚Nur in der Fremde ist der Fremde fremd’ oder ‚Fremd ist nur der Fremde in der Fremde’ oder ähnlich sinnentstellend.

 

W

Warten

Viel Zeit vergeht mit gutem Essen, bequemen Schlafen und mit Lesen, und dann bleibt trotzdem aber immer noch Zeit zum Warten auf den Omnibus, das Flugzeug und, wenn man dann endlich drinsitzt, auf die Ankunft.
‚Erst wartete ich langsam, dann immer schneller’ hat - Karl Valentin bereits 1935, als er zur Kommunion des kleinen Fidel nach Havanna geflogen war, hinterher seinen Flug einer staunenden Zuhörerschaft beschrieben.

Wake Up Call

Der Weckdienst der Hotels ist in der Regel zuverlässig, steht aber im Einklang mit den Fähigkeiten des Personals, die Namen der Gäste falsch zu schreiben oder durcheinander zu bringen (- Businesshotel)
Klingelt um zwanzig vor fünf in der früh das Telefon und ein Herr oder eine Stimme sagt ‚Good morning, Sir, this is your wake up call’, so brülle man keinesfalls verärgert, ‚wrong number, du Depp’ sondern hoffe beschwingt darauf, dass die Gäste mit der richtigen Nummer verschlafen, ihr Flugzeug verpassen und den Idioten erwürgen.

 

X

Xenophobie

Xenophobie handelt von der Angst vor dem Fremden und befällt Reisende regelmäßig, wenn sie plötzlich Situationen vorfinden, die anders sind als beispielsweise in Delmenhorst.

 

Z

Zudecke

Gerne wird bei der Wahl des Reiselandes auf den Hygienestandard geachtet und dabei der Krankheitserreger übersehen, der in den Gästebetten lauert, das Leintuch. Dem Gast wird ein Leintuch zum Zudecken angeboten, das viel zu dünn ist, um ihn die Nacht über warm zu halten. Husten und Rotzen ist die logische Folge, weil es im Süden nachts durchaus frisch werden kann. Zuerst versucht man, sich mit der Tagesdecke zu behelfen. Nützt aber auch nichts, die Tagesdecke ist zu dünn, die Erkältung wird unweigerlich kommen, nicht gleich am ersten Tag, aber nach einer Woche bis 10 Tagen macht sich der Hals bemerkbar. In der untersten Schublade der Kommode liegt gelegentlich eine unglaublich dicke Wolldecke, die ein durchreisender Eskimo vergessen zu haben scheint, die ist aber wiederum zu warm und landet irgendwann mitsamt dam Knäuel zusammengeballten Tagesdecke und Leintuch zusammen auf den Fußboden, und dann wacht man auf und stellt fest, man liegt jetzt ganz im Freien.

Ziel, Der Weg ist das

Der Weg kann gar nicht das Ziel sein, weil es nämlich kein Ziel gibt. Und weil es kein Ziel gibt, gibt es auch die Frage nicht, was denn nun das Ziel sei, von was auch immer. Und weil es die Frage nicht gibt, gibt es auch keine Antwort darauf. Also kann die Antwort auch nicht lauten: Der Weg. Kapiert?
Davon ausdrücklich ausgenommen sind nur die Scharfschützen bei der Bundeswehr und die Läufer bei der Olympiade. Wer als Hundertmeterläufer schon im Vorlauf ausscheidet hat alles Recht der Welt zu sagen, ‚Der Weg ist das Ziel’. Der Reisende aber hält sich von Fragen, die es gar nicht gibt, besser fern, will er sich die Reise nicht versauen.